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Kontostand:

130.000,00 €

(Stand: 17.08.2015)

Interview mit Robby Nitzsche auf der offiziellen Homepage der SG Dynamo Dresden

Interview mit Robby Nitzsche

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Robby Nitzsche kommt aus Sayda, einem kleinen Ort auf dem Kamm des Erzgebirges, in der Nähe des bekannten „Spielzeugdorfs“ Seiffen. Der 29-Jährige hat die Faninitiative „Schuldentilgung“ ins Leben gerufen. Seit Dezember 2013 existiert ein Konto, auf das zweckgebundene Schenkungen eingezahlt werden können. Die Gelder werden für die Ablösung des Kölmel-Darlehens verwendet.

 

"Man kann Geschichte schreiben."

Robby Nitzsche

Der Gründer der Faninitiative „Schuldentilgung“ glaubt an sein Projekt. Aber er weiß, dass es noch ein langer Weg ist. Wir haben uns mit ihm getroffen.

 

Prolog: Dynamo und das Kölmel-Darlehen

Nach dem torlosen Unentschieden zwischen Sachsen Leipzig und dem 1. FC Dynamo Dresden am 13. Mai 2000 im Alfred-Kunze-Sportpark waren alle Messen gelesen. Dynamo hatte als Tabellen-Achter der Regionalliga Nord/Ost die Qualifikation für die zweigleisige Regionalliga verpasst und war in die viertklassige Oberliga abgestiegen. Damit war der einstige Bundesligist von den neuen Honigtöpfen des Profifußballs weiter entfernt als je zuvor. Im selben Jahr traf  Dynamo Dresden eine Vereinbarung mit dem Geschäftsmann Michael Kölmel: Dessen Unternehmen „Kinowelt“ hatte dem maroden Klub bereits seit 1998 mehrere Darlehen von insgesamt über zehn Millionen DM gewährt. Als Gegenleistung erhielt Kölmel Anteile an den Fernseheinnahmen des Vereins.

Michael Kölmel hatte in den 90er Jahren darauf gesetzt, dass namhafte und traditionsreiche Vereine ihre Fernsehrechte hierzulande in absehbarer Zeit individuell vermarkten und dadurch überdurchschnittlich hohe Gewinne einfahren würden. Er investierte in Fußball-„Marken“ wie Fortuna Düsseldorf, Borussia Mönchengladbach, Union Berlin und auch Dynamo Dresden. Kölmel gewährte diesen Klubs Darlehen und sicherte sich im Gegenzug Anteile an den Fernsehgeldern. Das unternehmerische Kalkül des Medienunternehmers war, dass die TV-Einnahmen dieser prestigeträchtigen Vereine durch eine damals von den Spitzenclubs stark forcierte dezentrale Vermarktung stark ansteigen und „Kinowelt“ Anteilseigner der Profite würde. So fasste Michael Kölmel bei einer ganzen Reihe von Traditionsvereinen Fuß, die nach der Wende ein Schattendasein fristeten und kraft seiner Darlehen wieder auf die Sonnenseite des deutschen Fußballs zurückkehren wollten.

 

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Zwar erfüllte sich Kölmels Hoffnung von der Individualvermarktung der TV-Rechte bis heute nicht. Doch allein sein Anteil von zehn Prozent an Dynamos Fernsehrechten bescherte dem gebürtigen Karlsruher in der Saison 2012/13 Einnahmen von über 450.000 Euro. Dabei hatte er sein Darlehen während der ersten Zweitliga-Saison 2004/05 schon einmal von Dynamo zurückgefordert. Aber der Verein konnte seinerzeit nicht zahlen und einigte sich mit dem Gläubiger schließlich auf eine Verlängerung der Darlehensfrist bis 30. Juni 2015. Der springende Punkt ist nun: Wenn die SGD das derzeit mit drei Prozent zu verzinsende Kölmel-Darlehen ablöst, kann sie auch Kölmels Anteil an den Fernsehrechten zurück erwerben. Erkleckliche Mehreinnahmen wären das. In der zurückliegenden Saison handelte es sich – wie gesehen – um eine knappe halbe Million Euro.

Doch die für die Ablösung des Darlehens und den Rückkauf der Anteile aufzubringende Summe beläuft sich auf mehrere Millionen Euro. Für einen Zweitligisten in der Rechtsform eines Vereins ist dies ein immenser Betrag. Nachdem das Thema auf der Mitgliederversammlung 2012 einmal mehr auf der Tagesordnung stand, rief der Dynamo-Anhänger Robby Nitzsche die Faninitiative „Schuldentilgung“ ins Leben. Nach einer kleinen Odyssee durch die Mühlen der Bürokratie hat er im Dezember 2013 ein privates Sonderkonto eingerichtet, auf das jeder Fan, Freund und Sympathisant der Sportgemeinschaft eine zweckgebundene Schenkung einzahlen kann. Zweckgebunden heißt: Der Verein darf dieses Geld, wenn er es von Robby Nitzsche erhalten hat, ausschließlich für die Ablösung des Darlehens verwenden.

Nachdem Robby Nitzsche mit seiner Idee an den Verein herangetreten war, hat Dynamo Dresden die damit zusammenhängenden juristischen und steuerrechtlichen Fragen gestellt. Könnte das Modell funktionieren, oder würde ein Teil des geschenkten Geldes letztlich doch beim Fiskus landen? Und vor allem – wie war es um die Sicherheit der Anlage im Falle einer Privatinsolvenz des Kontoinhabers oder anderer unvorhersehbarer Ereignisse bestellt? Wir haben uns mit dem 29-Jährigen zu einem ausführlichen Gespräch darüber getroffen.

Es ist in Deutschland nicht einfach, jemandem etwas zu schenken.

 

Wir wollten den Menschen genauer kennenlernen, der hinter der Faninitiative „Schuldentilgung“ steht. Wir wollten erfahren, wie die Idee zum Projekt gereift ist und wie viel Arbeit darin steckt. Uns interessierte, ob der gebürtige Freiberger auch die Fanszene der SGD für seine Idee gewinnen will. Wir wollten wissen, wie er sichergestellt hat, dass jede Spende zu 100 Prozent bei Dynamo Dresden landet. Und natürlich brannte uns auch die Frage unter den Nägeln, ob er schon eine Prognose zum Kontostand am 30. Juni 2015 gewagt hat. Das Fazit können wir vorweg nehmen: Robby Nitzsche ist kein Träumer. Er ist ein akribischer Arbeiter mit Durchhaltevermögen. Aber er hat einen Traum: „Dynamo-Fans sind unberechenbar, im positiven Sinne. Ich kann mir vorstellen, dass die Fans dieses Vereins ein weiteres Mal Geschichte schreiben.“

Interview mit Robby Nitzsche

Robby, du hast für dieses Gespräch heute extra früher Feierabend gemacht, um nach Dresden zu kommen. Was machst du beruflich?
Ich bin aktuell Sachbearbeiter für Heiz- und Betriebskostenabrechnungen. Aus den Ablesewerten und vielen anderen Faktoren berechnen und erstellen wir die Abrechnungen, die jeder Mieter einmal im Jahr ins Haus bekommt.

Wo lebst du, wo arbeitest du?
Ich wohne in Sayda, in der Nähe von Seiffen, das durch die Erzgebirgskunst vielen ein Begriff sein wird. Meine Arbeitsstätte liegt in Mulda, zehn Kilometer entfernt.

Das ist deine Heimat?
Das ist meine Heimat – und wird es auch immer bleiben.

Kannst du beziffern, wie viel Arbeitszeit du bis heute in die Faninitiative „Schuldentilgung“ gesteckt hast?
Nein, nicht wirklich. Jedenfalls hätte ich am Anfang nicht gedacht, dass es so viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Es ist ausgeufert. Ich habe im November 2012 angefangen und seitdem habe ich mich täglich damit beschäftigt.

Gibt es denn zwischendurch nicht auch mal Tage, an denen du dich mit dem Projekt nicht befasst, mal Urlaub davon machst?
Mir gehen eigentlich jeden Tag Gedanken dazu durch den Kopf. Was kann ich verbessern? An was habe ich noch nicht gedacht? Was muss unbedingt noch mit rein? Wie kann ich Werbung für das Projekt machen? Das beschäftigt einen im Prinzip jeden Tag.

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Hast du am Anfang damit gerechnet, dass so viel Arbeit auf dich zukommt?
Nein, darüber habe ich am Anfang nicht nachgedacht. Ich hatte das Ziel vor Augen und wollte es umsetzen. Dass es so umfangreich werden würde, habe ich nicht erwartet. Aber ich habe den Arbeitsaufwand unter Kontrolle. Deshalb würde ich niemals sagen, dass ich es bereue.

Was hat dir die größten Bauchschmerzen und den meisten Aufwand bereitet?
Ganz klar die Bürokratie. Es ist in Deutschland nicht ganz einfach, jemandem etwas zu schenken. Die drei Finanzämter, mit denen ich zu tun hatte, haben meine Anfragen nicht immer besonders zügig beantwortet. Und dort hat es erstmal auch niemanden interessiert, wenn man von sich aus nachhakt. Vor allem, wenn man es freundlich macht, um niemanden zu verärgern.

Bist du jemand, dem solche Behördendinge eher leicht von der Hand gehen?
Eigentlich schon. Ich muss dazu sagen, dass ich vor meinem jetzigen Job zwei Jahre bei der Polizei war. Dadurch hatte ich viele Berührungspunkte mit dem Paragraphendschungel und wusste oft schon, wohin ich mich bei bestimmten Dingen zu wenden hatte.

Wie kam es zu dem Berufswechsel?
Das hatte gesundheitliche Gründe.

Wie viel Zeit verging von der ersten Idee, bis du begonnen hast, deine Gedanken konkret umzusetzen?
Von der Idee bis zum Entschluss hat es nicht lange gedauert, das war eine Sache von ein paar Tagen. Ich wurde im November 2012 aus dem Krankenhaus entlassen, kurz danach war die Mitgliederversammlung. Dort wurden einem die ganzen Zahlen und Fakten wieder in Erinnerung gerufen. Wieder einmal standen die Kölmel-Millionen im Raum und es gab viele Ideen, wie man das stemmen könnte. Dann kam der Gedanke mit dem Konto und dann habe ich mich innerhalb einer Woche daran gesetzt, die ersten Anfragen an Finanzamt und Ordnungsamt zu stellen. Auch an den Verein bin ich im November 2012 das erste Mal herangetreten. Damals haben sich glaube ich sehr viele Fans ähnliche Gedanken gemacht wie ich. Und sie sind zum Teil damit auch an den Verein herangetreten. Aber vieles verlief dann wohl wieder im Sande, und im Verein wird man ja auch selbst an der Problematik gearbeitet haben und konnte sich nicht mit jeder dieser Ideen gleich auseinandersetzen. Auch die „Schuldentilgung“ ist und bleibt eine Faninitiative. Der Verein bettelt ja hier nicht um Geld. Das war auch nie meine Erwartung.

"Es geht darum, den Leuten klar zu machen, dass das Thema wichtig ist."

Für den Erfolg deines Projekts brauchst du zwei Dinge: Eine hohe Reichweite, um viele Menschen darauf aufmerksam zu machen, und Emotionen, die Menschen dazu bewegen, wirklich zu spenden. Wie willst du beides erreichen?
Hier ist jeder Mann gefragt! Ich habe die Sache geschaffen, und bin froh, dass es prinzipiell erst einmal losgehen konnte, dass das Konto existiert und Geld eingezahlt werden kann. Aber ich bin mir bewusst, dass ich es alleine nicht schaffen werde, jeden Dynamo-Fan zu erreichen, nicht allein mit der Website und der Facebook-Seite.

Auf der Website findet man alle wichtigen Fakten zur Faninitiative „Schuldentilgung“…
Mir war es wichtig, dass sich dort jeder informieren kann, worum es geht. Ich aktualisiere den Kontostand täglich. Und jeder, der irgendeine Frage hat, kann mich kontaktieren. Es geht darum, den Leuten klar zu machen, dass das Thema wichtig ist. Sehr wichtig sogar.

Das sagt Dynamos Geschäftsführer Christian Müller zur Faninitiative „Schuldentilgung:

„Die Idee eines privaten Spendenkontos von Robby Nitzsche zeigt wieder einmal die starke Verbundenheit der Fans zu ihrem Verein. Für das Engagement und die Arbeit, die er in das Projekt gesteckt hat, gebührt ihm große Anerkennung. Dass wir der Initiative von Robby Nitzsche maximale Erfolge wünschen, versteht sich von selbst. Schließlich zeigen die vielen Fan-Aktionen der Vergangenheit, dass die Dynamos Fans zu großem in der Lage sind. Wir können aus rechtlichen Gründen der Initiative keinen „Dynamo-TÜV“-Stempel aufdrücken. Bei einer solchen Konstruktion bestehen gewisse Risiken, die Robby Nitzsche durch maximale Transparenz eindämmen möchte. Robby Nitzsche und Dynamo Dresden haben in der Sache dasselbe Ziel – die Ablösung des aus Sicht des Vereins teuren Kölmel-Darlehens. Ich habe dem Aufsichtsrat ein Konzept vorgelegt, wie wir diesen Kraftakt bis zum Jahresende stemmen könnten. Dafür benötigt der Verein Vertrauen derjenigen, die uns Kredit geben sollen. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Umschuldung schaffen können. Wenn darüber hinaus noch Impulse und sogar geschenktes Geld von außen kommen ist das umso besser."

Hast du schon Kontakt zur Fanszene gesucht, insbesondere auch zu den aktiven Fans, um sie in dein Vorhaben einbinden?
Das habe ich bisher noch nicht, es ist aber mein Ziel. Speziell möchte ich mich jetzt an „UD“ wenden, hatte aber noch keinen Kontakt und wollte auch nicht einfach eine E-Mail schreiben. Ich bin froh, dass ich über Marek Lange [Fanbeauftragter der SGD; d.Red.] die Möglichkeit bekommen habe, beim nächsten Turnustreffen persönlich Kontakt mit ein paar Vertretern der Ultras und von den anderen Fangruppierungen aufzunehmen. Ich halte es für sehr wichtig, dass die aktive Fanszene die Sache unterstützt.

Wo noch siehst du mögliches Potenzial, um die Initiative zu pushen?
Generell baue ich sehr auf das Internet. Ich halte nicht viel davon, irgendwo 10.000 Flyer drucken zu lassen. Das Projekt soll kein Geld kosten. Aber es wäre schon eine große Hilfe, wenn zum Beispiel alle Fanclubs, die eine Website haben, dort auf die Aktion aufmerksam machen. Auch Facebook ist wichtig. Und ich hoffe, dass die aktiven Fans die Sache verbreiten, denn sie haben auf jeden Fall großen Einfluss.

Dynamo-Fans sind unberechenbar, im positiven Sinne.

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Schon im Januar, wenige Wochen nach Eröffnung des Kontos, ist der Kontostand über 1.000 Euro gestiegen. Beim Kölmel-Darlehen sprechen wir jedoch von mehreren Millionen Euro. Wie definierst du für dich selbst den Erfolg deines Projekts?
Das ist eine sehr schwere Frage. Ich habe mir nie ein konkretes Ziel gesetzt. Ich habe mir nie das Ziel gesetzt, dass am Ende 5,8 Millionen Euro auf dem Konto liegen sollen. Letztendlich liegt das ja auch nicht in meiner Hand. Aber ich weiß eben auch, dass Dynamo-Fans unberechenbar sind, im positiven Sinne. Und ich für meinen Teil hatte zunächst einmal das Ziel, die Möglichkeit zu schaffen, Geld für diesen Zweck zu sammeln. Damit nachher niemand sagen kann, „Ja hätte es so etwas gegeben, dann hätte ich es unterstützt!“. Jetzt gibt es die Möglichkeit, und jetzt will ich einfach mal sehen, was dabei rumkommt. Was hinten rauskommt? Das werden wir dann sehen, das kann keiner wissen.

Aber hast du im Hinblick auf eine mögliche Gesamtsumme schon einmal eine Prognose gewagt?
(lacht) Mein Wunsch sind 5,8 Millionen Euro, das ist ja klar. Aber nein, im Ernst, ich will eigentlich keine Rechenbeispiele aufmachen. Man kann sich einiges zusammenspinnen, und das habe ich auch gemacht. Aber eine ernsthafte Prognose… Wie gesagt, die möchte ich nicht abgeben.

Gesponnen!
2,4 Millionen. Dynamos Facebook-Seite hat über 85.000 Likes. Wenn ich sehe, was bisher für Schenkungen eingegangen sind, und einfach mal 30 Euro ansetze, dann wäre man schon bei 2,4 Millionen.

Was war denn die höchste Geldsumme, die bisher eingegangen ist?
150 Euro.

Und die zweihöchste?
Das waren 100 Euro.

Was die Gemüter bei dem Thema am meisten bewegt, ist das Thema Anlagesicherheit. Wie ist garantiert, dass das Geld letztlich wirklich bei Dynamo ankommt?
Die ganze Sache hat einen großen Nachteil – es geht nur über ein privates Spendenkonto. Streng genommen ist es kein Spendenkonto, weil es sich nicht um Spenden, sondern um Schenkungen handelt. Das ist finanzrechtlich ein Unterschied. Alles andere als ein solches Schenkungskonto wäre mit Auflagen und Bedingungen verbunden gewesen, die nur schwer erfüllt hätten werden können. Mit dem privaten Konto kann man die Sache Eins-zu-Eins umsetzen, das ist der Riesenvorteil. Der Nachteil ist, wie gesagt, dass es privat ist. Um das zu kompensieren, mache ich mich so öffentlich. Auf meiner Website im Impressum stehen mein Name und meine Adresse. Jeder kann mich kennenlernen. Ich sag mal so: Ich bin nicht daran interessiert, 30.000 Leute gegen mich zu haben, die mir nur noch Böses wünschen. Aber letztlich ist es eine Vertrauenssache.

Was ist mit Härtefällen? Was passiert beispielsweise im Falle einer Privatinsolvenz? Könnten dann deine Gläubiger das Konto abräumen?
Nein, die hätten keinen Zugriff. Da es ein privat geführtes Girokonto ist, könnte ich im Prinzip zwar jederzeit auf das Geld zugreifen. Finanzrechtlich ist es aber nicht mein Geld. Ich bin nur Verwalter des Kontos. Das Geld gehört solange den Schenkenden, bis es an Dynamo übergegangen ist. Wenn ich mich verschulden sollte, dann könnten meine Gläubiger nicht an das Konto ran.

An der Geisterticket-Aktion halte ich mich fest.

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Und was wäre im Todesfall?
Hier arbeite ich im Moment noch an einer Lösung. Ich werde das so regeln, dass das Konto auf eine Person übertragen würde, die es dann an meiner Stelle verwaltet.

Werden die eingezahlten Gelder versteuert?
Das ist ein wichtiger Punkt. Bei jeder Schenkung bis 20.000 Euro entstehen keinerlei steuerliche Abgaben. Das gilt für einen Zeitraum von zehn Jahren, und jeweils für einen einzelnen Beschenkten. Mit anderen Worten, wenn ich Dynamo Dresden innerhalb eines Zeitraumes von zehn Jahren höchstens 20.000 Euro schenke, dann werden darauf keine Steuern fällig. Erst darüber hinaus gehende Beträge würden mit 30 Prozent versteuert. Das gilt unabhängig davon, wie viel Geld ich zur gleichen Zeit anderen Personen oder Vereinen etc. schenke. Im Falle des Kontos wird jeder Zahlungseingang einzeln für sich betrachtet. Das bedeutet, wenn der Kontostand irgendwann einmal über 20.000 Euro gestiegen sein sollte, dann fällt trotzdem keine Steuer an. Ausschlaggebend ist einzig und allein, dass keiner der Schenkenden in diesem Zeitraum über den Grenzbetrag kommt. Ich selbst bin ja nicht der Schenkende, sondern nur der Verwalter.

Du hast noch zwei Mitstreiter, die die Website und den Facebook-Auftritt betreuen. Wie habt ihr euch kennengelernt?
Den beiden bin ich extrem dankbar! Kurioserweise hatte ich mit den beiden bisher nur via Internet und Telefon Kontakt. Ganz am Anfang hatte ich eine Facebook-Gruppe zu dem Thema gegründet. Über die ist Roger Kuchta auf das Projekt aufmerksam geworden und hat mich angeschrieben. Roger ist Dynamo-Fan und wohnt in Berlin-Köpenick. Er hat mir seine Hilfe angeboten und eine Facebook-Seite auf die Beine gestellt, die er auch komplett betreut. Der Dritte im Team ist Riccardo Berger. Er ist auch online auf die Sache aufmerksam geworden und hat mir angeboten, die technische Betreuung der Website zu übernehmen, weil er damit schon Erfahrung gesammelt hat. Wie gesagt, die beiden helfen mir enorm und ich bin ihnen sehr dankbar. Mal sehen, vielleicht trifft man sich ja dieses Jahr auch mal. (schmunzelt)

War die „Geisterticket-Aktion“ für euch ein Vorbild?
Genau. An diesem Projekt sieht man, was möglich ist. Dass Dynamo Geschichte schreiben kann. An dieser Aktion halte ich mich definitiv auch fest. Das war eine vorbildliche Sache. Und sie hat gezeigt, wie extrem die Dynamo-Fans eigentlich sind.

Seit wann bist du Dynamo-Fan und was verbindet dich ganz persönlich so stark mit der SGD, um ein solch außerordentliches Engagement an den Tag zu legen?
Mein erstes Spiel war 1995 zuhause gegen Dortmund. Danach ist man langsam reingewachsen. Bei uns in Sayda gibt es den „Dynamo-Fanclub-Sayda“ und wir fahren zu fast allen Heimspielen, und wenn es passt auch auswärts. Im Juni 2009 ist ein Freund von mir, der auch im Fanclub war, bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Wir hatten damals beim Verein gefragt, ob die Mannschaft auf seinem Foto unterschreiben würde. Wir wollten das auf sein Grab stellen. Und die haben das auch gemacht. Das hat mich letztlich am stärksten mit Dynamo verbunden.

Wie optimistisch bist du, dass Dynamo das Darlehen von Michael Kölmel ablösen wird?
Ich kann da nur für mein Projekt sprechen, nicht für den Verein. Ich erhoffe mir, dass wirklich jeder Fan weltweit rechtzeitig auf diese Initiative aufmerksam wird und dann entscheiden kann, ob er das unterstützen möchte, oder nicht. Es bleibt jedem selbst überlassen, aber ich möchte, dass alle erreicht werden.

Robby, vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Jan Franke
Fotos: Frank Dehlis

Faninitiative „Schuldentilgung“: Website | Facebook

 

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